Kirche einmal anders
Am Freitag, 23. Mai 2025 fand in rund 70 Kirchgemeinden und Pfarreien des Kantons Luzern die 5. «Lange Nacht der Kirchen» statt. Zugleich mit Österreich und anderen europäischen Staaten öffneten reformierte, katholische, christkatholische Kirchen und Freikirchen ihre Türen und Tore und luden ein, das vielfältige Wirken, die bunte Kultur und kirchliche Gastfreundschaft zu feiern und einmal anders zu erleben.
Musical in der Pfarrkirche Hildisrieden
Um 17 Uhr war die Kirche gefüllt mit Leuten, die «S’ grosse Fescht» erlebten. 44 Schüler-/Innen der 5. & 6. Klassen Rain und Hildisrieden boten sehr eindrücklich das Gleichnis Jesu vom grossen Fest (Lk 14,15-24) dar. Es stammt aus der Feder von Markus Hottiger (Text) und Marcel Wittwer (musikalische Komposition) Der Hausherr plante ein besonderes Fest.
Viele Gäste wären eingeladen gewesen. Die Freude beim Herrn und der Dienstschaft war gross. Als dann alles bereit war, folgte die Ernüchterung. «Ga, ga, ga, gar nid guet», sangen die Schülerinnen und Schüler. Ein Gast nach dem andern sagte kurzfristig ab. Der Hausherr wurde zornig. Doch dann hatte er eine Idee, die alles auf den Kopf stellte. Er schickte seine Angestellten hinaus auf die Strassen, aufs Land und liess Randständige, Beeinträchtigte, Kriminelle, Leute die in der Gesellschaft keine Chance haben, holen. Diese füllten nun den Saal. Die Kinder zusammen mit der regieführenden Katechetin Regula Soom und dem Pianisten Andreas Wüest vermochten die Botschaft der Geschichte in der heutigen Sprache, Musik und Umgangskultur ins Publikum zu übertragen. Um 20 Uhr wurde das Musical einem neuen ebenso interessierten Publikum dargeboten.
Magie und Märchenzauberei
Die über die Landesgrenzen hinaus bekannte Märchenerzählerin Jolanda Steiner aus Kriens und der in Hildisrieden wohnende Martin Soom, ausgebildeter Bewegungsschauspieler und seit über 20 Jahren als Spitalclown im Kinderspital Luzern tätig.
Wie ein eingespieltes Team liessen die beiden fliessend Märchenerzählung, passende Zauberkunst und Martins musikalische E-Piano-Untermalung zu einer Einheit zu werden, bei der «Kristallkugel» für Vierjährige und Ältere, sowie bei den «Kurzmärchen aus dem Leben» ab zwölf Jahren. Die Gäste lernten die Brüder Hokus, Pokus und Fidibus kennen. Man konnte bei der Gedankenreise vernehmen wie die Zwerge aus neugierigen Luuser-Engelchen entstanden sind und wie das Arnikablümchen zu seinem Namen gekommen ist, wie der Schnee zu seiner Farbe kam, oder warum das Meer salzig ist.
«Bier stacheln» und andere Aktivitäten
Spannende Projekte des Religionsunterrichtes, kreativer Spass für kleine und grosse Künstler gab es zu sehen und zu erleben.
Im von den Fünftklässlern geführten Bibelcafé konnten feine Waffeln genossen werden. Das Rezept war in Einzelteilen der Bibel zu entnehmen (z.B 1. Buch Mose 1,6 – zehntes Wort, oder 500 Gramm Markus 4,28 – 16 . . .). Würste bräteln an der Feuerschale usw. vertrieben aufkommende Hungergefühle.
Der Durst konnte an der Kirchennachtbar gestillt werden oder beim Bierschmied Hans Mehr aus Rain. Der aus dem Mittelalter überlieferte Brauch, das «Stacheln» hat seinen Ursprung im Schmiedehandwerk. Um das damals, draussen kalt gelagerte Bier auf «Trinktemperatur» zu bringen, tauchten Schmiede einen glühenden Eisenstab (Schürhaken) in das Bier. Die jahrhundertalte Tradition findet auch in der heutigen Zeit wieder grssen Anklang bei Bierliebhabern.
Vor allem bei kräftigen, dunklen Bieren wird durch diesen Prozess der Geschmack weicher, der Restzucker wird durch das hesse Eisen karamellisiert und somit entsteht ein einzigartiger und sehr intensiver Geschmack. Vor allem das kalte Bier und der warme, feinporige Schaum führen zu einer Geschmackexplosion im Gaumen.
Wer an diesem Anlass anwesend war, kann ehrlich sagen: Ja, die Kirche ist präsent und lebt. Eindrücklich war zu spüren, dass die Mitarbeitenden von Hildisrieden und Rain, ob beauftragt oder ehrenamtlich, engagiert und über die Zeit hinaus Hand anlegten, an un zu mit einem Spruch auf den Lippen, z. B.: «Wenn alli so fliissig sind und alles funktioniert, chasch doch nid eifach nur zueluege und schaffsch gärn mit».
Fotos und Bericht: Emil Barmet







